Warum wir Gewaltmethoden im Hundetraining ablehnen – und was Gesetz & Gesellschaft jetzt tun müssen

Warum wir uns dazu äußern

Derzeit verbreiten sich Videos, in denen Hunde getreten, geschlagen oder gezielt eingeschüchtert werden – angeblich als Erziehungsmethode. In einem Video fliegt ein Hund sogar durch die Luft und prallt gegen ein Auto. Das Tier zeigt deutlich Angst, Stress und Schmerz.

Solche Methoden sind absolut inakzeptabel. Deshalb nehmen wir als Verein klar Stellung.

Was sagt das österreichische Gesetz?

Das Tierschutzgesetz (TSchG) ist eindeutig:

§ 5 Abs. 1 TSchG

„Es ist verboten, einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen oder es in schwere Angst zu versetzen.“ 

Absatz 2 nennt im Gesetz weitere konkrete Beispiele dafür, welche Maßnahmen typischerweise gegen dieses Verbot verstoßen — darunter auch Hilfsmittel und Methoden, die beim Hundetraining mit Gewalt oder Zwang arbeiten.

Konkret verboten sind — unter anderem:

  • Verwendung von Stachelhalsbändern, Korallenhalsbändern oder elektrisierenden bzw. chemischen Dressurgeräten.
  • Einsatz von technischen Geräten, Hilfsmitteln oder Vorrichtungen, die darauf abzielen, das Verhalten eines Tieres durch Härte oder durch Strafreize zu beeinflussen.
  • Verwendung von Halsbändern oder Vorrichtungen mit Zugmechanismus ohne Stoppfunktion, die durch Zusammenziehen das Atmen erschweren oder Schmerzen, Leiden bzw. Schäden erzeugen können.
  • Einsatz von Vorrichtungen, die eine tiergerechte Bewegung einschränken — etwa wenn Bewegungsfreiheit, Atmung oder andere physiologische Funktionen beeinträchtigt werden. (Je nach Anwendung, z. B. dauerhafte Einschränkung der Bewegungsfreiheit, Fixation etc.)
  • Forderung von Leistungen von einem Tier, „sofern damit offensichtlich Schmerzen, Leiden, Schäden oder schwere Angst für das Tier verbunden sind“.

Quelle: RIS – Tierschutzgesetz

Auch die Verordnung über die tierschutzkonforme Ausbildung von Hunden macht unmissverständlich klar, dass Trainingsmethoden, die auf Schmerz, Angst, Einschüchterung, Gewalt oder Zwang basieren, strikt verboten sind und keinerlei Platz in einer professionellen Hundeausbildung haben.

Damit sind zahlreiche der in den kursierenden Videos gezeigten bzw. propagierten Methoden  Tritte, Schläge, Einschüchterung  eindeutig gesetzeswidrig und fallen unter den Tatbestand der Tierquälerei.

Warum Gewalt im Hundetraining fachlich falsch ist

Gewalt ist keine Trainingsmethode – sie erzeugt:

  • Angst und Stress
  • Vertrauensverlust
  • Aggressionsförderung
  • körperliche & seelische Schäden
  • erlernte Hilflosigkeit


Professionelles Hundetraining basiert auf:
✔ tierschutzkonformen Methoden
✔ Beziehung
✔ Respekt
✔ Verständnis von Emotionen & Lerntheorie
✔ Wissensvermittlung

Kein wissenschaftlicher Ansatz unterstützt Gewalt als Erziehungsmittel.

Unsere Haltung als Verein

Wir distanzieren uns ausdrücklich von:

❌ Tritten
❌ Schlägen
❌ Einschüchterung
❌ gewaltsamer „Durchsetzung“

Kein Mitglied des Pfotenforums arbeitet mit solchen Methoden.
Wir stehen für gewaltfreie, ethisch verantwortliche und professionelle Hundearbeit.

Unser Appell an Hundehalter:innen

Wenn ein Trainer:
  • Tritte empfiehlt,
  • Schläge einsetzt,
  • Angst bewusst ausnutzt,
  • oder behauptet, Gewalt sei notwendig

Wechselt sofort den Trainer. Egal, wie „erfolgreich“ die Person wirkt. Egal, wie viel Reichweite sie hat. Vertrauen, Sicherheit und Wohlbefinden sind die Grundlage jedes Trainings.

Unser Appell an die Medien

Wir möchten Medienvertreter:innen dazu aufrufen:

  • Bei Berichterstattung keine verbotenen Hilfsmittel wie Stachelhalsbänder oder andere Gewaltmethoden zu zeigen.
  • Vorab zu recherchieren, welchen Trainer:innen eine Plattform geboten wird.
  • Vorfälle gründlich und faktenbasiert zu prüfen, ohne Vorurteile und Spekulationen.

Eine verantwortungsvolle Berichterstattung kann helfen, dass Tierwohl und professionelle Ausbildung in den Vordergrund gestellt werden – und nicht Gewalt, Angst oder Zwang.

Unser Appell an die Politik

Wir fordern:

  • strengere Kontrolle von Hundeschulen, Vereinen und Trainingsstätten
  • verstärkte Aufklärungskampagnen für Halter:innen
  • Klare Sanktionen, wenn Trainer:innen Gewaltmethoden anwenden
  • Konsequente Umsetzung des Tierschutzgesetzes
  • Mehr Schutzmechanismen für Hunde, wenn Videos oder Hinweise auf Misshandlungen auftauchen


Österreich hat eines der fortschrittlichsten Tierschutzgesetze Europas – doch es muss exekutiert werden.

An wen kann ich mich bei Missständen wenden

Es gibt verschiedene Stellen an die man sich bei Missständen wenden kann. Folgende Stellen könnten der richtige Ansprechpartner sein:

Wien

Tierschutzombudsstelle Wien
Web: www.tieranwalt.at
Telefon: +43-1-31800-7675079
E-Mailpost@tow-wien.at

Veterinäramt MA60
Web: www.wien.gv.at/kontakt/ma60
Telefon: +43 1 4000 8060
E-Mail: post@ma60.wien.gv.at

Niederösterreich

Tierschutzombudsstelle NÖ
Web: www.noe.gv.at/noe/Tierschutz/Tierschutzombudsstelle.html
Telefon: +43-2742-9005-15578
E-Mail: post.tso@noel.gv.at

Veterinäramt 
Web: https://www.noe.gv.at/noe/Veterinaer/Veterinaer.html
Telefon: +43-2742/9005-46455
E-Mail: post.lf5@noel.gv.at 

Burgenland

Tierschutzombudsstelle Burgenland
Web: www.burgenland.at/service/landes-ombudsstelle/tierschutzombudsstelle/
Telefon: +43-57600-2189
E-Mail: post.tierschutz@bgld.gv.at

Veterinäramt 
Web: www.burgenland.at/themen/gesundheit/veterinaerdirektion-und-tierschutz/startseite/
Telefon: +43 5 7600-2681 oder +43 5 7600-2298
E-Mail: post.a10-veterinaer@bgld.gv.at

Oberösterreich

Tierschutzombudsstelle OÖ
Web: www.land-oberoesterreich.gv.at/40500.htm
Telefon: +43-732-7720-14281
E-Mail: tierschutzombudsstelle@ooe.gv.at

Veterinäramt 
Web: www.land-oberoesterreich.gv.at/14406.htm
Telefon:  (+43 732) 77 20-142 41
E-Mail: ESV.post@ooe.gv.at

Salzburg

Tierschutzombudsstelle Salzburg
Web: www.salzburg.gv.at/veterinaerwesen/tierschutz
Telefon: +43-662-8042-3461
E-Mail: alexander.geyrhofer@salzburg.gv.at

Veterinäramt 
Web: www.salzburg.gv.at/dienststellen/abteilungen/20403
Telefon: +43 662 8042-3638
E-Mail: veterinaerdirektion@salzburg.gv.at

Steiermark

Tierschutzombudsstelle Steiermarkt
Web: https://www.tierschutzombudsstelle.steiermark.at/
Telefon: +43 (316) 877-3966
E-Mail: tierschutzombudsfrau@stmk.gv.at

Veterinäramt 
Web: www.veterinaerwesen.steiermark.at/
Telefon: +43 (316) 877-3595
E-Mail: gesundheit@stmk.gv.at

Kärnten

Tierschutzombudsstelle Kärnten
Web: www.ktn.gv.at/Verwaltung/Amt-der-Kaerntner-Landesregierung/Abteilung-5/Organisation?oid=2001053
Telefon: +43-50-536-37000 
E-Mail: tierschutz@ktn.gv.at

Veterinäramt 
Web: www.ktn.gv.at/Verwaltung/Amt-der-Kaerntner-Landesregierung/Abteilung-10/Organisation?oid=2000049
Telefon: +43-50 536-11601
E-Mail: abt10.vet@ktn.gv.at

Tirol

Tierschutzombudsstelle Tirol
Web: www.tirol.gv.at/gesundheit-vorsorge/veterinaer/tierschutz-1/tierschutzombudsperson/
Telefon: +43-512-508-3247 
E-Mail: tierschutz@tirol.gv.at

Veterinäramt 
Web: www.tirol.gv.at/gesundheit-vorsorge/veterinaer/
Telefon: +43 512 508 3242
E-Mail: veterinaerdirektion@tirol.gv.at

Vorarlberg

Tierschutzombudsstelle Tirol
Web: https://vorarlberg.at/-/drumherum-tierschutzombudsstelle?article_id=369938
Telefon: +43-5574-511-42099
E-Mail: tierschutzombudsstelle@vorarlberg.at

Veterinäramt 
Web: https://vorarlberg.at/-/fachliche-aufgaben-des-veterinaerwesen
Telefon: +43 5574 511 25205
E-Mail: veterinaer@vorarlberg.at

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Bild von Yvonne Mannsberger

Yvonne Mannsberger

Yvonne ist Obfrau des Vereins Pfotenforum - Tiere im Dialog. Außerdem ist sie die Gründerin von Tiermasseur Mannsberger und Hund in Balance. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der Hundemassage, dem Hundefitnesstraining sowie Ihrem Fachgeschäft für Hunde.