Der Schritt in die Selbstständigkeit bringt viele Fragen mit sich – gerade im Tierbereich. Welche Gewerbeform passt? Welche Pflichten gibt es? Und worauf sollte man von Anfang an achten?
Auf dieser Seite findest du grundlegende Informationen zur Selbstständigkeit in Österreich, speziell für Tierunternehmer:innen. Die Inhalte dienen als erste Orientierung und ersetzen keine rechtliche oder steuerliche Beratung – sollen dir aber helfen, Zusammenhänge besser zu verstehen und typische Stolpersteine zu vermeiden.
Selbstständig zu sein bedeutet, eine Tätigkeit auf eigene Rechnung und Verantwortung auszuüben. Im Tierbereich stehen hier auch immer das Wohl der Tiere sowie die Verantwortung gegenüber Tierhalter:innen im Mittelpunkt.
Je nach Tätigkeitsfeld gelten unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen. Nicht jede Leistung darf angeboten werden, und bestimmte Tätigkeiten sind klar abgegrenzt – etwa gegenüber der Tiermedizin. Eine saubere Einordnung der eigenen Arbeit ist daher besonders wichtig.
In Österreich gibt es unterschiedliche Formen der selbstständigen Tätigkeit. Für Tierunternehmer:innen relevant sind vor allem:
Freie Gewerbe
Viele Tätigkeiten im Tierbereich fallen unter freie Gewerbe. Für diese ist keine formale Ausbildung gesetzlich vorgeschrieben – fachliche Qualifikation und Verantwortung bleiben dennoch zentral.
Reglementierte Gewerbe
Hier sind bestimmte Ausbildungen, Prüfungen oder Nachweise erforderlich.
Neue Selbstständige
Einige Tätigkeiten können ohne Gewerbeschein, aber mit Meldung beim Finanzamt ausgeübt werden.
Entscheidend ist nicht die Berufsbezeichnung, sondern welche Leistungen tatsächlich angeboten werden. Eine klare Abgrenzung schützt sowohl Unternehmer:in als auch Kund:innen.
Unterstützend kann man sich hier auch an die Wirtschaftskammer in seinem Bundesland wenden.
Für viele Tätigkeiten ist eine Gewerbeanmeldung notwendig. Diese erfolgt in der Regel bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde, bei der Wirtschaftskammer oder online.
Wichtig zu wissen:
Für unterschiedliche Tätigkeiten können mehrere Gewerbescheine erforderlich sein
Handel, Dienstleistung und Produktion sind rechtlich getrennt
Eine saubere Anmeldung schafft Klarheit und Rechtssicherheit von Anfang an.
Hier wurden von der Wirtschaftskammer Informationen rund um die Gewerbeanmeldung zusammengefasst.
Zusätzlich gibt es sogenannte Nebenrechte. Diese erlauben es, bestimmte Tätigkeiten in einem begrenzten Rahmen auszuüben, ohne dafür ein eigenes Gewerbe anmelden zu müssen – sofern sie in engem Zusammenhang mit dem Hauptgewerbe stehen und dieses nicht überwiegen.
Ob eine Tätigkeit noch als Nebenrecht gilt oder bereits ein eigenes Gewerbe benötigt, sollte im Zweifel vorab mit der Wirtschaftskammer oder einer fachkundigen Stelle abgeklärt werden. Eine klare Abgrenzung sorgt für Rechtssicherheit und Transparenz.
Auch wenn für viele Tätigkeiten keine gesetzlich geregelte Ausbildung vorgeschrieben ist, spielen fachliche Qualifikation und laufende Fortbildung eine zentrale Rolle.
Aus- und Fortbildungen:
stärken Qualität und Professionalität
schaffen Vertrauen bei Kund:innen
helfen, rechtliche Grenzen einzuhalten
sind Grundlage für verantwortungsvolles Arbeiten mit Tieren
Im Pfotenforum legen wir großen Wert darauf, dass Leistungen nur im Rahmen der eigenen Qualifikation angeboten werden – im Sinne unseres Ehrenkodex.
Selbstständige in Österreich sind grundsätzlich bei der Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) versichert. Dazu zählen Beiträge zur Kranken-, Pensions- und Unfallversicherung sowie gegebenenfalls zur Selbstständigenvorsorge.
Es gibt jedoch Sonderregelungen, insbesondere für Personen, die nur geringfügig selbstständig tätig sind:
Wer mit seiner selbstständigen Tätigkeit unter bestimmten Einkommensgrenzen bleibt, kann sich unter Umständen von der Pflichtversicherung in der Kranken- und Pensionsversicherung befreien lassen
Die Unfallversicherung bleibt in der Regel verpflichtend
Eine Befreiung muss aktiv beantragt werden und gilt nicht automatisch
Gerade bei nebenberuflicher Selbstständigkeit oder einem langsamen Einstieg ist es wichtig, sich frühzeitig über die geltenden Einkommensgrenzen und Antragsfristen zu informieren. So lassen sich unerwartete Nachzahlungen vermeiden und die Selbstständigkeit realistisch planen.
Darüber hinaus sind je nach Tätigkeit sinnvoll oder notwendig:
Betriebs- oder Berufshaftpflichtversicherung
Produkthaftpflicht (bei Verkauf von Waren)
Unfallversicherung
Eine passende Absicherung schützt nicht nur dich, sondern auch deine Kund:innen und die Tiere.
Mit der Selbstständigkeit gehen steuerliche Pflichten einher. Dazu zählen unter anderem:
Einkommensteuer
gegebenenfalls Umsatzsteuer
ordnungsgemäße Rechnungslegung
Buchhaltung und Belegaufbewahrung
Je nach Umsatz kann die Kleinunternehmerregelung zur Anwendung kommen. Da steuerliche Themen individuell sehr unterschiedlich sind, empfiehlt sich frühzeitig der Kontakt zu einer Steuerberatung.
Selbstständig zu sein bringt viele Chancen, aber auch Verantwortung mit sich. Gerade im Tierbereich ist es wichtig, nicht nur fachlich gut aufgestellt zu sein, sondern auch die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen zu kennen.
Diese Übersicht soll dir eine erste Orientierung geben und dabei helfen, typische Stolpersteine zu vermeiden. Da sich gesetzliche Vorgaben ändern können und jede Selbstständigkeit individuell ist, empfehlen wir, dich bei offenen Fragen zusätzlich bei der Wirtschaftskammer, der SVS oder einer fachkundigen Beratungsstelle zu informieren.
Wenn du dich mit anderen Tierunternehmer:innen vernetzen, Erfahrungen austauschen oder Fragen aus der Praxis besprechen möchtest, bist du beim Pfotenforum genau richtig – wir setzen uns für transparente Information, Qualität und ein starkes Miteinander in der Tierbranche ein. 🐾