Sachkundenachweis ab 1. Juli: Noch immer keine Verordnung veröffentlicht
Bereits in unserem früheren Beitrag haben wir die geplanten Änderungen rund um den Sachkundenachweis und die Novelle der 2. Tierhaltungsverordnung vorgestellt. Während der 1. Juli 2026 als Starttermin immer näher rückt, bleibt eine wesentliche Tatsache unverändert: Die endgültige Verordnung wurde bis heute nicht veröffentlicht.
Damit sollen neue Verpflichtungen für Tierhalter in Kraft treten, ohne dass die rechtlichen Details verbindlich vorliegen. Betroffen sind davon jedoch nicht nur Tierhalter, sondern auch Tierunternehmer, Vortragende und Behörden, die die neuen Regelungen umsetzen müssen.
Plattform Tierwissen.at ist online
Mittlerweile wurde mit tierwissen.at die offizielle Informationsplattform zum Sachkundenachweis veröffentlicht. Dort finden sich Informationen zu den geplanten Anforderungen für Hundehalter sowie für die Haltung bestimmter Papageien, Reptilien und Amphibien.
Auch für Vortragende und Tierunternehmer:innen wurden inzwischen erste Informationen bereitgestellt. Auf der Plattform finden sich unter anderem Termine für Schulungen und Informationen zur zukünftigen Durchführung der Sachkundekurse.
Die Veröffentlichung der Plattform ist grundsätzlich zu begrüßen. Sie kann jedoch die fehlende Verordnung nicht ersetzen, denn zahlreiche wesentliche Fragen bleiben weiterhin offen.
Vortragende warten weiterhin auf verbindliche Vorgaben
Besonders für Personen und Unternehmen, die künftig Sachkundekurse anbieten sollen oder bisher Kurse angeboten haben, ist die Situation unbefriedigend. Noch immer fehlen verbindliche Regelungen zu zahlreichen Details der praktischen Umsetzung.
Auf tierwissen.at werden mittlerweile mehrere Online-Schulungen für Vortragende angeboten. Die Termine starten bereits am 22. Juni und richten sich an die Bereiche Hunde, Papageienvögel sowie Reptilien und Amphibien. Für den Hundebereich sind die meisten Termine bereits ausgebucht, freie Plätze gibt es aktuell nur noch für die Schulung am 30. Juni.
In diesen „Train the Trainer“-Veranstaltungen sollen die Inhalte und Methoden der zukünftigen Sachkundekurse vorgestellt werden. Das ist grundsätzlich zu begrüßen und bietet erstmals nähere Einblicke in die geplante Umsetzung.
Offen bleiben jedoch weiterhin jene Fragen, die für viele Vortragende und Tierunternehmer:innen besonders relevant sind. Die Anerkennung von Vortragenden sowie die konkreten Vorgaben für die Durchführung der Kurse fallen in die Zuständigkeit der jeweiligen Bundesländer. Genau zu diesen Punkten fehlen bislang vielerorts verbindliche Informationen.
Damit stehen potenzielle Vortragende weiterhin vor der Herausforderung, sich auf eine Aufgabe vorzubereiten, deren rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen noch nicht vollständig feststehen – obwohl der Sachkundenachweis bereits in wenigen Wochen verpflichtend werden soll.
Wenige Wochen bis zum Start – und noch immer keine Verordnung
Der Sachkundenachweis wurde bereits mit der Novelle des Tierschutzgesetzes beschlossen und soll ab 1. Juli 2026 verpflichtend werden. Umso erstaunlicher ist es, dass die dafür notwendige Verordnung nach wie vor nicht veröffentlicht wurde.
Zwar stehen mittlerweile erste Informationen über die Plattform tierwissen.at zur Verfügung und auch Schulungen für künftige Vortragende werden bereits angeboten. Die rechtliche Grundlage, die zahlreiche Details regeln soll, fehlt jedoch weiterhin.
Gerade für Tierhalter:innen, die sich rechtzeitig über ihre zukünftigen Verpflichtungen informieren möchten, aber auch für Tierunternehmer:innen, Vortragende und Behörden wäre eine frühzeitige Veröffentlichung wichtig gewesen. Stattdessen müssen sich viele Beteiligte auf neue Anforderungen vorbereiten, ohne sämtliche Rahmenbedingungen zu kennen.
Besonders kritisch ist dabei, dass die praktische Umsetzung in den Bundesländern erfolgen soll. Solange die endgültige Verordnung und die daraus resultierenden Vorgaben der zuständigen Behörden fehlen, bleiben zahlreiche Fragen offen.
Wir halten euch auf dem Laufenden
Sobald die Verordnung veröffentlicht wird und verbindliche Informationen vorliegen, werden wir die Inhalte analysieren und die wichtigsten Punkte für Tierhalter:innen und und Tierunternehmer:innen zusammenfassen.
Bis dahin bleibt festzuhalten: Der Starttermin steht fest, die rechtlichen Details dazu jedoch weiterhin nicht.
Yvonne Mannsberger
Yvonne ist Obfrau des Vereins Pfotenforum - Tiere im Dialog. Außerdem ist sie die Gründerin von Tiermasseur Mannsberger und Hund in Balance. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der Hundemassage, dem Hundefitnesstraining sowie Ihrem Fachgeschäft für Hunde.